Sport Business Österreich

Resümee 2006

Die zum ersten Mal durchgeführte Kongress-Messe für Sport, Wirtschaft, Innovation und Technologie, die “Sport.Business.Austria”, im Mode&Eventcenter in Salzburg-Bergheim am 26. und 27. April 2006 war ein voller Erfolg. Nie zuvor waren in gerade einmal rund 30 Stunden so viele hochkarätige Referenten auf einem Podium, um zu den wichtigsten Themen, die sich im weiten Spannungsfeld zwischen Sport und Wirtschaft bewegen, Stellung zu nehmen.

Dass von 44 Referenten nur ein einziger kurzfristig ausgefallen ist und beispielsweise zwei Referenten zwischen zahlreichen anderen Terminen für ein paar Stunden nach Salzburg eingeflogen sind, zeigt ebenfalls den Stellenwert der Veranstaltung schon bei ihrer Premiere.

Natürlich spielte die am 9. Juni in Deutschland beginnende Fussball-Weltmeisterschaft eine erste Geige während der Diskussionen – nicht nur beim Hauptauftritt mit sehr gewichtigen Persönlichkeiten. Sie alle wussten Wissenswertes zu berichten, ob DFB-Teammanager Oliver Bierhoff, der im OK als Generalkoordinator tätige Wiener Heinz Palme oder der frühere Leverkusen-Manager Reiner Calmund. Er war es auch, der die anwesende ÖFB-Spitze mit Präsident DI Friedrich Stickler und Teamchef Josef Hickersberger (er referierte an seinem 58.Geburtstag, wofür es eine Torte und ein Ständchen des Auditoriums gab) aufmerksam machte, dass trotz bester Organisation nicht alles vorausberechnet werden könne.

Seiner Meinung nach wird Österreich bei der EURO 2008 ebenso wie jetzt Deutschland mit zahlreichen Besuchern zu rechnen haben, die keine Eintrittskarten besitzen – „und die müssen dann beschäftigt werden.“ Etwa über ausreichendes Fernsehen auf freien Plätzen (Public view) und in eigenen Spielparks möglichst nahe dem jeweiligen Stadion.

Der für Österreich zuständige Turnierdirektor Mag. Christian Schmölzer berichtete über den Stand der Vorbereitungen, ÖFB-Chef Stickler meinte, es gebe auch nach 2008 Fussball in Österreich und daran müsse man schon jetzt denken, so sollten weitere Stadien gebaut werden. Und die bestehenden Anlagen müssten angesichts der klimatischen Verhältnisse dringend mit Rasenheizungen versehen werden. Diesen Wunsch äusserte auch Teamchef Hickersberger, der mit seiner eigentlichen Vorbereitung auf die EURO spätestens Ende April 2008 beginnen möchte – das bedingt aber Bundesligafussball zu Winterszeiten.

Zu aktuellen Problemen meldete sich auch der Präsident des Salzburger Fussballverbandes und Rechtsreferent des ÖFB, Dr.Herbert Hübel; seiner Meinung nach werde das Urteil gegen Austria Wiens Torhüter Didulica ein Einzelfall bleiben und kein Präzedenzfall für ähnliche Vorkommnisse werden.
Zu den auch von den Kongressteilnehmern besonders gut aufgenommenen Thema „Effizienz und Potentiale in der sportmedizinischen Betreuung“ (Pichler:“Das war einer der Höhepunkte“) fanden die Referenten einen erstklassigen Zugang.

Vor allem Dr. Bernd Pansold, der Leiter des Leistungsdiagnose- und Trainingszentrums von Red Bull in Thalgau. Er referierte über den Sinn und die Richtlinien für die notwendige, bei weitem noch nicht überall erkannte Notwendigkeit der medizinischen Begleitung des Sportlers. In Österreich fehle es weniger am Geld als an Konzepten, sagte er. Seine Mängelliste sollte eigentlich ans Ohr der Politiker und für den Sport zuständigen Spitzenfunktionäre dringen.

DDr. Josef Niebauer, der neue Leiter des Institutes für Sportmedizin an den Salzburger Landeskrankenanstalten, berichtete ebenfalls von der Problematik, Verbänden und Vereinen die Wichtigkeit der Sportmedizin so richtig schmackhaft zu machen – viele stünden dem noch immer verständnislos gegenüber, mit nur einer Untersuchung im Jahr sei es nicht getan.

Sportvermarktung, Lizenzen und Rechte – Kernpunkte des modernen Sportes, darüber berichteten mit vielen Zahlen u.a. Carsten Schmidt, der Vorstand für Sport und New Business der Premiere AG; alleine die bevorstehende Fussball-WM wird im wahrsten Sinn des Wortes die Spielwiese für zahlreiche neue Innovationen in Sachen TV-Übertragung.

Insgesamt wird es immer schwieriger, Grossveranstaltungen richtig ins Bild zu setzen, nicht aus technischen Gründen, sondern der ins Unermessliche steigende Honorare. Wer sich noch an die Olympischen Spiele 1976 in Innsbruck erinnert, wird sich wundern, wenn er erfährt, dass die TV-Rechte damals lächerliche 10 Millionen US-Dollar eingespielt haben.

In Nagano 1998 waren es bereits 447 Millionen, zuletzt in Turin 793 Millionen. Und diese Summen klettern, wer weiss, wie lange Sendeanstalten kleinerer Länder da noch mithalten können.

Zwei Salzburger Anlässe nahmen breiten Raum ein, die Rad-Weltmeisterschaften im September dieses Jahres und die Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2014. Die Rad-WM ist fünf Monate vor dem ersten Start auf gutem Weg, das berichtete u.a. Generalsekretär Wolfgang Weiss, der kein Hehl daraus machte, dass hierorts in vielen Bereichen die Dimension einer derartigen Veranstaltung mit bis zu 200.000 Besuchern am Schlusstag nach wie vor nicht erkannt wird.

Eine Auszeichnung für „Sport.Business.Austria“ war es zweifellos, dass der Präsident des Radsportweltverbandes UCI, der Ire Pat McQuaid, auf dem Podium sass – er war zum ersten Mal in Salzburg.

Radprofi Gerrit Glomser nutzte die Gelegenheit, seine sportlichen Ziele und die Chancen für den österreichischen Radsport insgesamt zu nennen. Denn wenn man die WM nicht als Ausgangspunkt für nachwuchsfördernde Projekte nimmt, dann sind viele Anstrengungen umsonst gewesen; die Rad-WM muss als Triebfeder gesehen werden.

Gleiches gilt in noch grösserem Rahmen der Salzburger Olympiabewerbung. Erstmals vor einem breiteren Publikum präsentierte sich der Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft Fedor Radmann. Der Fast-Salzburger (er ist aus Berchtesgaden und ging in Salzburg zur Schule) bezeichnet das Konzept als noch kompakter als zuletzt für 2010, sprach von der Kompetenz Salzburgs als Veranstalter , aber auch davon, dass man nicht zuviel Kultur „hineinpacken“ soll – das sei bei der Niederlage in Prag eher negativ aufgefallen. Radmann zu den Olympia-Gegnern: “Man möchte zwar sehr viel, man möchte aber nicht belästigt werden.“ Sei es durch Lärm und Verkehr (wenn auch nur für gut zwei Wochen). Die Chancen Salzburgs insgesamt bezeichnet er als gut.

Dass Olympische Spiele und andere Grosssportveranstaltungen einem Land eine Reihe positiver Effekte bescheren, darüber wartete Dr.Christian Helmenstein, der Chefökonom der Österreichischen Industriellenvereinigung, mit interessantem Zahlenmaterial auf. So sei die Sportwirtschaft insgesamt doppelt so kräftig wie die Hotellerie und Gastronomie und erbringe rund 7,5% des jährlichen Brutto-Inland-Produktes.

Die Stellung des Sportes werde trotzdem noch immer unterschätzt; Staatssekretär Mag. Eduard Mainoni wies in seinem Statement darauf hin, dass im österreichischen Sport im weitesten Sinn rund 355.000 Arbeitsplätze gebunden sind, dass an die 15 Milliarden Euro „bewegt“ werden (BIP-Anteil siehe oben).

Der Vizepräsident der Bundeswirtschaftskammer, Dr. Hansjörg Schelling, will in seinen Visionen neue Sportarten kreiiert sehen, vor allem in Richtung Tourismus. Freilich müssten auch alte Strukturen aufgebrochen werden. Und sehr interessant:“Österreichs Sportlegenden sind im Ausland bekannter als die Erfolge der österreichischen Wirtschaft.“

Das alleine müsste Ansporn sein. Welche Innovationen auch im Sport zum Tragen kommen können, signalisierte Mag. Paul Schreilechner, der Geschäftsführer des GIS-Cluster Salzburg; die Produktpalette der Geo-Informationssysteme wird im Sport Eingang finden. Erfreulich ist z.B. auch, dass die Salzburger Firma Axess AG mit ihren Zutrittssystemen vier Stadien der bevorstehenden Fussball-WM ausgerüstet hat – ein klassischer Erfolg von Innovation Sport-Wirtschaft.

Zur Infrastruktur gehört vor allem der Bau von Stadien und Freizeitanlagen. Herausragende Aufgabe ist derzeit die Bereitstellung der für die EURO 2008 notwendigen Stadien; Wien, Salzburg und Innsbruck werden ausgebaut und modernisiert, Klagenfurt wird neu gebaut. Bautechnisch verantwortlich dafür ist Ing. Reinald Krammer, der Geschäftsführer der Porr AG.

Man sei allerorten im Plan, eine besondere Herausforderung neben dem Neubau in Klagenfurt ist vor allem die Erweiterung in Salzburg. Hier wird mit der hydraulischen Hebung des Daches eine vorher noch nie eingesetzte Technik angewendet. Das umstrittene Thema Kunstrasen schnitt DI Peter Gattermann an; der Geschäftsführer des Österreichischen Institutes für Schul- und Sportstättenbau kündigte für den Herbst einen Kunstrasen-Gipfel an, auf dem Plus und Minus und vor allem Vorbehalte gegenüber dem künstlichen Grün diskutiert werden.

Erfreuliches berichtete er über die Zunahme des Baues von Eishallen in Österreich mit neuen Projekten u.a. in St. Pölten und Kitzbühel. Weniger erfreulich, so sagte er, sei ein Blick in die Haustechnik vieler Sportanlagen, da gehe durch grobe Mängel rund die Hälfte an Heizenergie verloren; hier müsste der Hebel umgehend angesetzt werden.

Zu den Höhepunkten, in gesellschaftlicher Hinsicht war es das Highlight schlechthin, gehörte die Verleihung des erstmals ausgelobten Preises für die österreichische Wirtschaft, der so genannte „Diskus“. Er wurde bei seiner Premiere von Staatssekretär Mag. Eduard Mainoni in fünf Kategorien vergeben.

Die Zielsetzung des Preises, wie er sagte, bestehe darin, Unternehmen auszuzeichnen, die Initiativen setzen und deren Produkte eine Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Sport darstellen; geschaffen wurde die Trophäe vom Salzburger Künstler Günther Edlinger.

 
 AGB | Impressum